vinschgauBIKE ⟩ Mountainbike ⟩ Credo So ticken wir vinschgauBIKEr. Im Kampf gegen Vorurteile und mit dem Wandel der Zeit gehen.

Der Weg vom unbekannten Trailparadies zu einer der angesehensten Bike Regionen der Alpen war ein langer. Bei vielen Entscheidungen haben wir mitgewirkt und sind stolz darauf.


Von Mountainbikern für Mountainbiker.

Es gibt durchwegs Gäste, welche sich bereits Anfang dieses Jahrhunderts ins Vinschgau verliebt haben - und immer wieder kommen. Zu Beginn waren sie mit dem schwarz/weiß GPS Gerät auf den Trails unterwegs, dann haben wir ihnen weitere Trails auf unseren geführten Touren gezeigt und irgendwann waren sie mit dem Gebiet so gut vertraut und solo unterwegs.

Von Bikern für Biker war und ist unser Credo. Dafür haben wir uns immer eingesetzt. Was wir über die Jahre lernen mußten: Wenn du einen Diskussionspartner (und es gab Hunderte) nicht von deinen Träumen überzeugen kannst, übe dich in Geduld.

Folgten auf Reden und Vereinbarungen keine Taten, haben wir uns immer selbst auf die Hinterbeine gestellt und sind los marschiert. Dies machte uns (meist mich) nicht immer beliebt.

Natürlich wurden wir auch von der Bike Industrie und von den Bike Medien inspiriert. Der Mountainbike Sport erfindet sich gefühlt alle fünf Jahre neu.

Einige Beispiele gefällig:

 

Mountainbike Testival 2006

Gerade mal 14 sogenannte Freerider bzw. Downhiller wollten beim ersten Testival in Latsch gondeln. Die restlichen 90 Teilnehmer wollten schöne CC Touren fahren.

Beim Mountainbike Testival 2010

standen Hardtails und CC Fullies ungenutzt vor den Zelten, die 180 Teilnehmer waren alle mit den All Mountain Bikes (Enduro war noch nicht erfunden) oder Freeridern unterwegs.

Im Jahr 2011 war zu Christi Himmelfahrt die Marmorbruch Tour im Programm. Von 74 Teilnehmern kurbelten 58 die 1.450 hm komplett, der Rest ließ sich auf halben Weg shutteln.

Zum selben Zeitraum 2012 wollten 30 Teilnehmer shutteln. Für die Marmorbruch Tour war niemand mehr gemeldet.

Neue Bekleidungstrends

Bunte, weite Trikots - Rückentaschen sind out. Die Baggy Short erobert den Markt, so waren Pfunde schnell kaschiert und die Kondition vernachlässigt.

2011

kam die erste Reverb und beeinflußte die ganze Bike Branche und den Fahrstil der Biker.

2012

wog ein Freerider noch gute 18kg und war bergauf fast nicht zu treten. Jetzt fluten leichte Carbon Enduros den Markt.

2013

Lady Bikes zielten auf ein neues Publikum, zunächst mit Blümchen und Herzen am Bike, dann aber vernünftig und richtig.

2014

die Mountainbike Welt war komplett im EWS Fieber. Der Fahrstil veränderte sich komplett. Jeder war sooo Enduro.  Codewords: French Lines und Fullface.

2015

E-Bike Uphill-Flow Feever. Plötzlich werden Trails in beide Richtungen gefahren.

2016

Ein virtuelles Rennen mit Strava lässt gar manches Bikers Vernunft in Nichts auflösen.

Änderungen waren gut für den Markt

Ähnliche Veränderungen gab es im Wintersport.

Ich erinnere mich an die erste Snowboard Welle anfangs der 90er.  Wer cool war, fuhr Snowboard, mit stylischen Klamotten und weniger klobigen Schuhen. Nicht wenige Ski Arenen wollten Snowboarden damals auf ihren Pisten sogar verbieten.

Dann reagierte die Ski Industie: Heute gibt es mindestens 5 Carver Typen oder Freerider und ebenso viele Pistenskier. Am besten hat der moderne Skifahrer 5 verschiedene Paar Ski im Auto. Kennt ihr Paralellen?

Skifahren ist heute wieder in, Ski Arenen haben aufgerüstet. Wer cool sein will, führt eine Halfpipe, einen Funpark, hat sichere Freeride Pisten. Und wenn die Frequenzen steigen, werden breitere Pisten gebaut sowie Sechser- statt Zweierlifte. Nur das Beste für die Gäste.

Ski Arenen investieren auch für Biker. Die Lifte sind vorhanden, Baumaschinen meist auch, da stört es doch nicht, wenn im Sommer einige Lines über die Pisten laufen. Das Geld der Biker ist willkommen, der notwendige Einsatz meist aber nicht. Skipisten werden täglich glatt gewalzt, aber wie sieht es denn im Sommer im Bikepark aus? Bremswellen, Schlaglöcher, kaputte North Shore Elemente. Solche Bedingungen wären für Skifahrer undenkbar!!!

Steigende Besucherzahlen, aber weniger Trails

Was passiert in den Tourismus Regionen?

Bevor es nicht zum totalen Inferno kommt, meist gar nichts. Wer sollte sich auch um die Trails kümmern? Das Budget landet in den Anzeigen, für die Trailpflege ist meist kein oder nur ein minimales Budget vorgesehen. Erst wenn's hapert, dann setzt man sich an den Tisch.

Bike Regionen werden in den letzten Jahren regelrecht überrollt von den anstehenden Änderungen was Nutzung der Mountainbike Strukturen betrifft. Hier ist ein Umdenken notwendig.

Mountainbiker unterwegs

Einflüsse und Auswirkungen.

All diese Veränderungen haben sich auch auf unsere Entscheidungen ausgewirkt: Erst haben wir eine Mountainbike Karte gedruckt, einen Mountainbike Routenplaner programmiert, Mountainbike Bücher publiziert. Doch auch wir sind mit dem Trend des Bike Marktes gegangen und haben periodisch immer wieder einen neuen Trail veröffentlicht, haben den Höhenmetern immer mehr abgeschworen, den Shuttle Boom im Vinschgau mitgelebt. Nun geht es jedoch wieder hin zu Naturerlebnis, Genuss-Trails und einem besseren Mischverhältnis aus Treten und shutteln - Qualität und Nachhaltigkeit statt Quantität.

 

Mit dem Trailbau änderte sich die Einstellung

Reisen und Trailbau führen zum Umdenken.

Mit dem Projekt Trailbau Holy Hansen und einer Reise in die USA änderte sich meine Sichtweise der Dinge. Drei Jahre Kampf, Überzeugungskraft, Geduld und eine Portion Glück führten zum Holy Hansen Trail. Und auch in den drei Jahren der Trailpflege hat sich meine Sicht auf die Dinge verändert.

Zurück zu den Wurzeln!  Klar, Touren mit 2.ooo hm pro Tag führen wir heute nicht mehr im Programm, aber ein wenig Kurbeln ist außer am Sundowner am Freitag immer mit dabei. Wir überlassen an Ostern oder Christi Himmelfahrt die klassischen Shuttle Trails den vielen Freeridern und geniessen mit unseren Gästen lieber weniger frequentierte Trails.

Wir fühlen uns nicht schlecht

Kein Recht zum Verurteilen.

Rückblickend sind alle schlau! Aber keine Situation ist hoffnungslos. Schlimm ist, wenn man auf Situationen nicht reagiert und die Schuld woanders sucht. Dabei könnte Jeder an Verbesserungen mitwirken.

Diesen Satz werden Biker, Tourismustreibende, Verwalter und Grundeigentümer lesen. Haltet kurz inne, und denkt nach.

Schön waren die Zeiten als Mountainbiker einfach Mountainbiker waren. Heute ist das längst nicht mehr so, es reicht ein Blick in eines der Mountainbike Foren oder in Social Media Beiträgen.  Da schimpft der CCler über die Shuttle Deppen, die Jugendlichen sind eh immer Schuld, jeder der einen Fullface trägt, ist eh ein Störenfried. Und wenn nicht über die eigenen Kollegen geschimpft wird, sind es eben die Bauern, Jäger oder Förster oder Wanderer.

Zuerst muss man Toleranz zeigen, dann kann man Toleranz fordern.

Gruppe am Goldsee Trail

Denken statt Recht haben.

Wir müssen unsere Art zu Denken hinterfragen.

In der heutigen Welt ist alles durch Gesetze und Verordnungen geregelt. Alles was nicht verboten ist, sei grundsätzlich erlaubt. Der Gedanke "Würde MICH das jetzt stören (auch wenn es erlaubt oder zumindest nicht ausdrücklich verboten ist)?" ist in der heutigen Zeit verloren gegangen, also Rücksichtnahme und gesunder Menschenverstand. Wir vinschgauBIKEr versuchen uns immer wieder daran zu erinnern.

Trotzdem werden wir einmal im Jahr unser Helibiken organisieren oder das eine oder andere "verrückte" Event für einige Wenige durchführen. Kritik hierzu nehmen wir dann aber auch entsprechend entgegen.

Biker am Goldsee Trail

Auf eine schöne Mountainbike Zukunft.

Gemeinsam haben wir die Mountainbike Zukunft selbst in der Hand. Vielleicht werden wir auf einige Trails oder Annehmlichkeiten verzichten müssen, wir werden kämpfen und uns beweisen müssen.

Herausforderung angenommen und wir freuen uns auf viele interessante und konstruktive Diskussionen.
Matze Gruber

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